Auf Sole gebettet – Die Geschichte des Heilbads

Die Sole bildet die Grundlage des Werdens und Wachsens Bad Oeynhausens. Mitte des 18. Jahrhunderts als Salzwerk gegründet, entwickelte sich die Stadt im Laufe des 19. Jahrhunderts zum größten Bad der preußischen Monarchie und schließlich zum kaiserzeitlichen „Weltbad“. Nach den stürmischen Kriegsjahren ist Bad Oeynhausen heute ein renommierter Standort für Hochleistungsmedizin.

Als man 1745 die erste Solequelle entdeckte, förderte der preußische Staat den Ausbau eines Salzwerkes. Die Entwicklung zu einem Badeort verdankt die „Königliche Saline Neusalzwerk“ dem Oberbergrat Carl von Oeynhausen, der 1830 damit beauftragt wurde, Steinsalzvorkommen in Neusalzwerk zu erbohren. Knapp zehn Jahre später stieß man auf dem Gelände des heutigen Kurparks bei Bohrungen statt auf Steinsalz auf eine kohlensäurehaltige Thermalsolequelle. Carl von Oeynhausen erkannte das Potential des Heilwassers und trug seine Pläne zur Anlage eines Bades dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. vor, der sich fortan persönlich für die Förderung des Bades engagierte. 1848 benannte er zu Ehren des verdienten Oberbergrats die Badeanstalt in „Königliches Bad Oeynhausen“ um.

Porträt von Carl von Oeynhausen

Carl von Oeynhausen (Foto: Staatsbad Bad Oeynhausen)

Vom Weltbad zum Lazarett

Die Entwicklung von Stadt und Bad im 19. Jahrhundert war rasant. Der Kurpark wurde nach Plänen des bekannten preußischen Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné angelegt. Um ihn herum entstanden stilvolle Häuser eines gehobenen Bürgertums. 

Anfang des 20. Jahrhunderts stiegen die Kurgastzahlen immer weiter und man strebte den Aufstieg zu einem „Weltbad“ an. Dieser Aufstieg wurde durch die beiden Weltkriege gestoppt. Während des ersten Weltkrieges wurde im Heilbad ein Lazarett eingerichtet.

Historische Postkarte um 1910 mit dem Kurhaus als Motiv

Kurhaus Bad Oeynhausen um 1910 (Foto: Stadtarchiv Bad Oeynhausen)

Varieté in den Roaring Twenties

Der Aufschwung der "Goldenen Zwanziger" ist auch in Bad Oeynhausen spürbar. Kunst wie Kultur blühen auf und bringen das Varieté als Form des kulturellen Lebens in die Stadt. Eng verknüpft mit der Entwicklung des Varietés in Bad Oeynhausen ist das Tanzpaar Walther und Molly Monroe. Walther wird zu Ende seiner ersten Saison künstlerischer Direktor der Künstlerspiele im Hotel Vier Jahreszeiten. Es folgen verschiedene Stationen in der Stadt und das Paar erlangt zu nationaler Prominenz.

Britisches Hauptquartier in der Nachkriegszeit

Mit Ende des zweiten Weltkrieges wurde Bad Oeynhausen Hauptquartier der Britischen Rheinarmee. Gebäude wurden beschlagnahmt, Einwohner evakuiert und durch Brände litt die historische Bausubstanz. Nach der Freigabe der Stadt 1954 wurde der Kurbetrieb wieder aufgenommen. Bis zur Übernahme durch die Stadt im Jahre 2004 war Bad Oeynhausen Staatsbad des Landes Nordrhein-Westfalen.

Heute: Einer der wichtigsten Gesundheitsstandorte in NRW

Neben dem klassischen Kurbetrieb entwickelte sich Bad Oeynhausen ab Mitte der 1950er Jahre zunehmend zu einem Standort für Hochleistungsmedizin. Neben dem weltweit anerkannten Herz- und Diabeteszentrum NRW leisten verschiedene Fachkliniken exzellente Arbeit in den Schwerpunkten Herz-, Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Orthopädie, Venen und Haut, Rheumatologie und gestörtes Essverhalten. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Einrichtungen für Rehabilitation und Anschlussheilbehandlungen. Heute trifft in Bad Oeynhausen Erfahrung auf Kompetenz: Die vielfältigen medizinischen Angebote sowie die lange Tradition als Heilbad machen die Stadt zu einem der wichtigsten Gesundheitsstandorte in Nordrhein-Westfalen.