Waldbaden und Kräuter kennenlernen

Die Brombeere

Foto: Nadja Jacke

"Die Brombeere findet man in lichten Wäldern und an Waldrändern. Sie besiedelt als Pioniergehölz zusammen mit Birken als erstes Kahlschläge und freie Flächen im Wald. Im Gegensatz zur Himbeere haben Brombeeren derbe Stacheln und eine dunklere Blattunterseite. Die Dornen gaben dem Strauch ihren Namen: das altdeutsche Wort „brama“ war die Bezeichnung für Dornenstrauch. Sie ist ein vielseitig zu verwendeter Strauch in der Wildkräuterküche. Junge Blätter kann man bspw. wie Spinatgemüse zubereiten. Die Blätter und die Blüten, die man in ihrer Färbung von weiß bis rötlich antrifft, sind in vielen Hausteemischungen zu finden. Die Beeren, die botanisch Sammelsteinfrüchte sind, enthalten in ihrer intensiven Färbung viele Antioxidantien die sehr gesund sind und gegen freie Radikale schützen. Die kostenlosen Früchte des Waldes lassen sich zu Fruchtmus, Gelee, Saft und Likör verarbeiten.

Stellen Sie sich doch einmal eine eigene Hausteemischung zusammen. Alle Zutaten sollten grob zerkleinert und gut getrocknet werden:
1 Teil Brombeerblätter, 1 Teil Erdbeer- oder Himbeerblätter, 1 Teil Lindenblüten, 1 Teil Apfelschalen, 1 Teil Birnenschalen. Von dieser Teemischung 2 TL auf einen großen Becher mit kochendem Wasser übergießen, 10 min ziehen lassen, abseihen und evt. mit ein wenig Honig genießen."

(Katharina Hinze)

Schwarzer Holunder mit weißer Blüte

Foto: Nadja Jacke

"An Waldrändern leuchten jetzt die tellerförmigen weißen Dolden des Holunderstrauchs. Um den Holunder ranken sich zahlreiche Legenden. Er galt als Sitz der guten Hausgeister, deshalb war es Frevel den Holunder zu beschneiden oder gar zu fällen. Man sah in ihm die Schwelle zur Unterwelt, deshalb bestatteten Friesen ihre Toten unter Holunderbüschen. Frauen vergruben Nachgeburten am Stamm und erhofften dadurch für ihr Neugeborenes ein glückliches und behütetes Leben. Im Märchen Frau Holle kommt der Holunder vor. Sowohl Holunderblüten als auch im Herbst die schwarzen Beeren sind für die Heilkunde und auch für kulinarische Zwecke in der Küche begehrt. Von Mai bis Mitte Juli blühen die Dolden, die aus zahlreichen duftenden fünfzähligen Sternchen bestehen. Man sammelt sie an trockenen Tagen. Verwechslungsgefahr besteht lediglich mit dem Zwergholunder auch Attich genannt, dessen Früchte Übelkeit auslösen können. Er ist aber deutlich kleiner, hat keinen
verholzten Stamm und blüht in der Regel später, von Juli bis August, als der schwarze
Holunder. Der rote Holunder, auch Traubenholunder genannt, kann in der Wildkräuterküche genauso wie der schwarze Holunder eingesetzt werden.

Versuchen Sie doch einmal einen sommerlichen Holunder-Lassi:
500g verlesene Erdbeeren, 1 kleine Becher Naturjoghurt oder 125g Kokosmilch, eine
abgezuppelte Holunderblüten einer größeren Dolde, je nach Geschmack 1-3 TL Honig, Saft und Schale einer halben Biolimette. Alles in einem Mixer zerkleinern und mit Eiswürfeln genießen."

(Katharina Hinze)

Die einfachste Atemübung der Welt

Foto: Nadja Jacke

"Die gesundheitsfördernden Duftstoffe des Waldes nehmen wir zum größten Teil über unseren Atem auf.
Unser Körper atmet, ganz von allein und ohne Anstrengung. Den Atem hat man immer bei sich - mit ihm kann man sich wunderbar entspannen. Stellen oder setzen Sie sich an einen schönen Ort in den Wald. Wenn Sie sich setzen, achten Sie bitte darauf, dass Sie frei atmen und Ihr Bauch nicht eingeengt ist. Legen Sie Ihre Hände auf den Unterbauch. Achten Sie zunächst darauf, wie Sie stehen oder sitzen, welche Gedanken Sie haben und wie es Ihnen damit geht. Wandern Sie nun mit Ihren Gedanken zum Atemrythmus. Nehmen Sie einfach wahr, wie der Atem ohne Anstrengung und ohne ihn zu beeinflussen, in den Körper einströmt und wie er ihn wieder verlässt. Nehmen Sie ohne Leistungsdenken die Bewegung an der Bauchdecke wahr. Genießen Sie es, gerade nichts weiter zu tun zu haben, als da zu sein und frische Luft zu atmen. Zum Abschluss können Sie noch bewusst drei tiefe Atemzüge nehmen, bevor Sie die Augen öffnen und sich strecken.
Diese Übung eignet sich auch hervorragend im Alltag für zwischendurch."

(Katharina Hinze)

Margerite

Wenn die Margeriten blühen, dann ist schon fast Juni. Bei warmer Witterung fangen sie auch schon im Mai an. Im Volksmund werden sie auch Maikönigin genannt, denn sie zaubern wunderschöne weiß-gelbe Farbklekse in die Landschaft ohne andere Pflanzen zu verdrängen. Auch die Bezeichnung Wucherblume findet man, denn dort wo sie wachsen, kommen sie immer in großen Beständen vor. Ihre Wirkstoffe sind ähnlich der Kamille, nur in abgeschwächter Form. Deshalb werden sie in der Volksheilkunde zur Wundheilung und bei Erkältung eingesetzt. An der Margerite ist alles essbar. Die leicht süßlichen Blütenköpfe als Dekoration auf Salaten, die Blättchen roh oder gedünstet als etwas herbe Beilage und die Wurzeln als Kochgemüse. Probieren Sie doch mal eingelegte Margeritenknospen als Antipasti: Füllen Sie ein Marmeladenglas halb voll mit Knospen und stellen es auf ein feuchtes Küchentuch. Kochen Sie ca 200 ml hellen Balsamico zusammen mit ½ TL Salz, 1 Prise Zucker, 1 Lorbeerblatt, 3-4 Wachholderbeeren und ein paar Pfeffer- oder Senfkörnern auf und gießen den kochenden Sud über die Knospen. Diese müssen ganz bedeckt sein. Nach zwei Wochen können Sie die eingelegten Knospen genießen. Sammeln Sie sie nur an unbelasteten Stellen und wenn Sie auf Korbblütler allergisch reagieren, verzichten Sie bitte auf die Verwendung dieser schönen Pflanze

Riech doch mal...

©Nadja Jacke

Ein Element des Waldbadens ist es, die Sinne zu schulen indem man z.B. den Sehsinn ausschaltet.

Eine Übung, die man am besten zu zweit durchführen kann, ist folgende: Einer der Partner setzt sich auf einen Baumstumpf oder etwas Ähnliches und schließt die Augen.

Der zweite Partner sucht drei bis vier verschiedene Naturmaterialien, die lose herum liegen.

Er hält dem „Blinden“ diese vor die Nase, damit er sie riechen kann. Zunächst soll er nur den Geruch beschreiben: „moderig“, „holzig“, „erdig“, „frühlingshaft“, „blumig“ usw.

Es kommt nicht darauf an, die Dinge zu erkennen, sondern lediglich, welche Assoziationen die Gerüche bei ihm auslösen.

Danach kann er die Materialien auch blind ertasten. Anschließend kann getauscht werden.

 Eine Variation ist, eine „Schnupperbar“ auf einem Baumstamm zu errichten, die ein zweiter blind ertastet und riechend erfährt. Viel Spaß dabei!

(Un)geliebter Giersch

Giersch (c) Nadja Jacke

"Jeder Gartenbesitzer kennt ihn. Entweder verflucht man ihn, arrangiert sich mit ihm oder lernt ihn als nützliche, gesunde Nahrungspflanze lieben. Wenn man ihn im Garten hat, lässt er sich nicht ausrotten. Also, essen Sie ihn einfach auf! Aber nicht nur im Garten, auch in der Natur findet man ihn zu Hauf. Der Blätterteppich bedeckt oft den ganzen Boden. Sie erkennen den Giersch an der Zahl drei: er hat einen dreieckigen Stängel und die Grundform seiner Blätter ist dreiteilig. In der Familie der Doldenblütler, zu denen der Giersch gehört, gibt es hochgiftige Vertreter. Deshalb muss man den Giersch sicher erkennen, aber die Blätter und das flächendeckende Vorkommen sind  unverwechselbar. Früher hat man den Giersch als Gichtmittel verwendet. Er treibt die Harnsäure aus dem Körper. Der lateinische Nachname „podagraria“ deutet darauf hin, denn Podagra ist die Gicht im Großzehengelenk. Geschmackstechnisch erinnert er an Petersilie mit Suppengrün. Er hat einen enormen Vitamin C und einen hohen Mineralgehalt. Für die Küche können Sie die glänzenden, jungen Blätter, Knospen und Blüten bspw. für Kräuterquark oder -butter, Salate, Suppen und Wildkräuterspinat verwenden.

Versuchen Sie doch einmal eine Gierschlimonade:
10-15 Gierschblätter und 1 Stängel Pfefferminz mit dem Nudelholz leicht anquetschen, mit 1 Liter Apfelsaft übergießen, 1 kleingeschnittene Biozitrone hinzufügen und über Nacht verschlossen ziehen lassen. Nach Geschmack mit Mineralwasser genießen."

(Katharina Hinze)

Lichtbaden

Lichtbaden (c) Nadja Jacke

"Das Lichtbaden wird immer mit geschlossenen Augenlidern und ohne Brille durchgeführt. Vermeiden Sie für diese Übung die grelle Mittagssonne. Suchen Sie sich einen bequemen Platz im Wald. Am besten lehnen Sie sich sitzend oder stehend an einen Baum mit dem Blick Richtung Sonne. Genießen Sie für einen Moment mit geschlossenen Augen die Wärme und das Licht auf Ihrem Gesicht.
Fangen Sie an, sanft den Kopf von rechts nach links zu bewegen. Dann von oben nach unten. Anschließend lassen Sie Ihren Kopf behutsam, sanft kreisen. Es sind nur kleine Kreise, die beschreiben werden. Die Sonne ist hierbei der Mittelpunkt. Wechseln Sie die Richtung. Alle Bewegungen werden sehr langsam und mit Bedacht ausgeführt. Genießen Sie, dass die Sonne in jeden Bereich Ihres Auges dringt. Bleiben Sie noch einen Moment mit geschlossenen Augen stehen oder sitzen. Fühlen Sie nach, wie sich jetzt Ihre Augen, ihr Gesicht, ihr Nacken und ihr ganzer Körper anfühlt."

(Katharina Hinze)

Löwenzahn

Löwenzahn (c) Nadja Jacke

"Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist für manchen Gartenbesitzer ein lästiges Unkraut; für Kinder ein Spaß, um Kränze aus den Blüten zu flechten oder den an Schirmchen hängenden Samen nachzuschauen, wie sie vom Wind davon getragen werden. Er ist auch bekannt als Kuhblume, Pusteblume oder Butterblume. Er wächst an nährstoffreichen Wiesen, Weiden, Wegrändern. Er bohrt sich mit ungeheurer Kraft durch Asphalte und steinig-schottrige Straßenränder. Stängel, Blatt und Wurzel führen einen weißlichen Milchsaft.
Der Löwenzahn ist ein Bittersalat, reich an Vitamin C, Kalium, Phosphor und Magnesium und eignet sich für Rohkostgerichte, Quark und Eierspeisen. Je älter die Blätter, desto bitterer sind sie und desto kleiner sollte man sie schneiden. Um sie zu entbittern, kann man die Blätter für ca. 2 Stunden in leicht gesalzenem, kalten Wasser einlegen.

Löwenzahnknospen Salat
1 Handvoll geschlossener Löwenzahnknospen und zarte junge Blätter 1-2 Stunden in leicht gesalzenem Wasser stehen lassen. Kurz abspülen, trocken schleudern. Große Knospen teilen.
1 Apfel und 1 rote Zwiebel in feine Streifen schneiden.
1 EL Sonnenblumenkerne in der Pfanne ohne Fett anrösten.
Für das Dressing:
½ Becher Sahne, 1 EL Distelöl, ½ TL Honig, 1 Bund Dill mit dem Saft einer ½ Zitrone verquirlen. Mit Salz und Pfeffer würzen.
Löwenzahn, Apfel, Zwiebel, Sonnenblumenkerne vermischen und das Dressing darüber geben.

Bitte sammeln Sie den Löwenzahn nur an unbelasteten Stellen."

(Katharina Hinze)

Raus aus dem Tunnel - Entspanntes Sehen im Weitwinkelblick

Weitwinkelsicht (c) Nadja Jacke

"Eine Alternative zum fokussierten Sehen, welches schnell die Augen ermüdet, ist der Weitwinkelblick. Unsere Wahrnehmung ähnelt dann nicht mehr einem Teleskop, sondern einem Weitwinkelobjektiv, sodass die komplette Umgebung als Panorama gesehen wird. Alles wird leicht unscharf werden, aber der Vorteil ist: die Augen brauchen für diese Art des Sehens keine Muskelkraft und können optimal entspannen. Es werden trotzdem leichte Bewegungen, Kontraste und Hell-Dunkel intensiver wahrgenommen, die sonst beim fokussiertem Blick verborgen geblieben wären.
Suchen Sie sich im Wald einen schönen Platz und stellen sich aufrecht, entspannt hin. Nehmen Sie ein Objekt in naher Ferne ganz genau wahr. Das kann ein Stein, ein Baumstumpf oder ein Strauch sein. Nun weiten Sie Ihren Blick, ohne etwas zu fokussieren. Der Radius beträgt ca. 180° horizontal und 120° vertikal. Man könnte es auch als verträumtes Schauen bezeichnen, bei dem man aber hellwach und präsent ist.  Bleiben Sie eine Weile in diesem Weitwinkelblick. Sie werden erstaunt sein, was Sie auch bei diesem unscharfen Sehen alles wahrnehmen können. Erregt etwas Ihre Aufmerksamkeit, können Sie das Objekt kurz fokussieren, um dann wieder in den Weitwinkelblick zu wechseln.
Es ist eine wunderbare Übung, auch im Alltag, gegen den im Stress immer wieder entstehenden Tunnelblick und zur Augenentspannung. Sie funktioniert auch beim Blick ins Grüne aus einem Fenster."

(Katharina Hinze)

Powerfood Brennnessel

Brennnessel (Foto: Katharina Hinze)

"Die Brennnessel ist eines der Wildkräuter, die jeder kennt. Sie wächst überall dort, wo die Menschen schon gewesen sind und liebt stark gedüngte Böden.
Die Brennnessel ist so vielseitig einsetzbar, dass man ein ganzes Buch damit füllen könnte.
Hier soll es aber jetzt um die Verwendung als Wildgemüse gehen. Sie ist ernährungstechnisch eines der gesundesten Wildgemüses. Sie ist ein herzhafter Spinatersatz und kann für Aufläufe, Backwerk, Lasagne und vieles mehr Verwendung finden. Wenn man Brennnesseln als Spinatgemüse zubereiten möchte, knipst man mit Gartenhandschuhen die obersten Spitzen der Pflanzen ab, die auf unbelasteten Böden wachsen. Zu Hause werden sie in einem Sieb gewaschen und grob hacken. Auch hierfür werden am besten Handschuhe angezogen. Knoblauch und Zwiebeln kurz in Öl anschwitzen, die grob gehackten Spitzen dazugeben und kurz dünsten, bis die zusammenfallen. Kräftig mit Muskat, Salz und Pfeffer würzen.

Grünkernfrikadellen mit Brennnesseln
ca. 150g Brennnessel
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
2 Eier
1,5 Becher Gemüsebrühe
1 Becher Grünkernschrot (bekommt man im Reformhaus)
2 EL Haferflocken oder Mehl
1TL Senf
Majoran, Thymian, Paprika, Kräutersalz, Pfeffer
Zwiebeln mit kleingeschnittenen Brennnesseln in Butter andünsten; Grünkern in Gemüsebrühe kurz aufkochen und gar quellen lassen. Abkühlen lassen. Kräuter, Brennnesseln, Eier und Haferflocken / Mehl unterheben, würzen.
Frikadellen formen und in reichlich Öl ausbacken. Ergeben ca. 12 Stck.

Achtung: Wenn Sie den Blutverdünner Marcumar einnehmen, verzichten Sie bitte auf den Verzehr von Brennnesseln."

(Katharina Hinze)

Kreativität beim Waldspaziergang

Waldkunst (Foto: Katharina Hinze)

"Gehen Sie doch mal in ein kleines Waldstück und stromern ein wenig abseits der Wege herum. Sicherlich finden Sie einen Baumstamm, einen Baumstumpf, eine Wurzel oder Zweige, die Sie verändern und auf kreative Weise gestalten könnten. Sie können sich auch eine freie Waldfläche mit Stöckern begrenzen und in dieser Art Bilderrahmen eine Miniaturlandschaft oder ein Mandala gestalten. In ihrem Tun sind Sie ganz frei und vor allem ohne Erfolgszwang. Verwenden Sie nur Materialien, die lose am Boden liegen. Erfreuen Sie sich an dem Moment des Erschaffens und geben Sie, wenn Sie mögen, nach Beenden Ihrem Werk einen Namen. Wenn Sie ein paar Tage später wieder an diesen Ort kommen, sieht man vielleicht nur noch ein paar Teile oder gar nichts mehr von Ihrem Tun. Das ist völlig in Ordnung und symbolisiert lediglich, dass das Leben immer Veränderungen mit sich bringt."

(Katharina Hinze)

Wald und Kräuter entdecken mit Katharina Hinze

Katharina Hinze (Foto: Nadja Jacke)

Eigentlich wollte Katharina Hinze ab April mit Ihnen bei Führungen zum Waldbaden und Kräutern die Flora und Fauna im Siekertal entdecken. Dann kam Corona und die Führungen können vorerst nicht stattfinden. Nun verät die Heilpraktikerin und Phytotherapeutin auf diesem Wege, wie Sie in dieser herausfordernden Zeit im Grünen durchschnaufen können. 

Bitte beachten Sie bei Ihren Spaziergängen die aktuellen Kontakteinschränkungen!
Alle gültigen Vorgaben zum Kontakt mit anderen Menschen finden Sie hier.