Blick hinter die Kulissen

Was macht eine Bühnenmeisterin, Julia Treger?

Seit Januar ist Julia Treger an den Reglern im Theater im Park. Ohne die Bühnenmeisterin läuft am Tag der Veranstaltung nichts. Hier erzählt sie von ihren Aufgaben, den Herausforderungen und der Atmosphäre hinter der Bühne.

Julia, du bist bei jeder Vorstellung hinter der Bühne. Wie ist die Atmosphäre in den Sekunden bevor es losgeht?

Die Stimmung hinter dem Vorhang ist meistens im positiven Sinne angespannt. Die Künstler verbringen die letzten Minuten sehr unterschiedlich. Einige bleiben bis zur letzten Sekunde in ihrer Garderobe, andere laufen aufgeregt hin und her oder machen Lockerungs- und Sprechübungen. Manche Ensembles praktizieren auch eine Art Einschwörung wie man es aus dem Sport kennt. Jeder geht mit seinem Lampenfieber wohl anders um.
Ich habe noch die ein andere Aufgabe kurz vor der Vorstellung zu erledigen: einklingeln und zum Beginn die Türen schließen oder selbst mit Lampenfieber am Licht- oder Tonpult sitzen.


Und wie ist die Stimmung nach der Vorstellung?

Die Stimmung der Künstler nach der Vorstellung hängt zu einem großen Teil davon ab wie die Vorstellung gelaufen ist.
Für mich bedeutet das Ende der Vorstellung meistens Beginn des Abbaus, eigentlich wollen immer alle fertig werden und den wohlverdienten Feierabend genießen oder zum nächsten Spielort weiterfahren. Da heißt es dann schnelles, konzentriertes Arbeiten. Für mich ist es immer ein sehr gutes Gefühl, wenn die Bühne zum Feierabend genauso aussieht, wie zum Beginn des Tages – leer und bereit für die nächste Produktion.


Was sind am Tag der Vorstellung deine Aufgaben als Bühnenmeisterin?

Am Tag der Vorstellung arbeitet man immer mit neuen Leuten zusammen, die das Theater nicht kennen. Hier muss man dann in allen Belangen unterstützend zur Hand gehen. Den LKW ausladen, Kulissen aufbauen, Scheinwerfer aufhängen etc… Es müssen die Vorschriften und die Gegebenheiten des Hauses berücksichtig und eingehalten werden, zum Beispiel dürfen keine Kulissen im Bereich des Eisernen Vorhanges stehen und die Fluchtwege müssen freigehalten werden. Je nach Produktion ist das eine spannende Angelegenheit. Manchmal ist das Bühnenbild zu groß für die Bühne und man überlegt zusammen, wie es trotzdem funktionieren kann.

Veranstaltungstechnik ist eine Männerdomäne. Was bedeutet das für dich bei deiner Arbeit?

Als ich angefangen habe in diesem Beruf zu arbeiten, hatte ich oft das Gefühl, dass ich als Frau mehr leisten muss als meine männlichen Kollegen um akzeptiert zu werden. Bei manchen Kollegen war das sicherlich auch der Fall, zum Glück war das aber eher die Ausnahme. Ab und an muss man (Frau) sich aber durchaus doofe Sprüche anhören. Da heißt es dann durchatmen und weitermachen. Zum Glück gibt es ja auch immer mehr Frauen in diesem und anderen technischen Berufen, die ihren männlichen Kollegen weder fachlich noch anderweitig unterlegen sind.

Was bedeutet der Beruf der Bühnenmeisterin für dich? Wie bist du dazu gekommen?

Mein Weg zur Veranstaltungstechnik war relativ gradlinig, nachdem mir klar geworden war, dass ein Studium nach dem Abitur für mich keine Option ist. Hier gab es zwar durchaus die ein oder andere Idee, aber noch ein paar Jahre die Schulbank drücken war nicht so reizvoll für mich. Nach einem Praktikum beim Radio und dem ein oder anderen Ferienjob stand der Entschluss fest – Ich mache eine Ausbildung der Veranstaltungstechnikerin. Kam ehrlich gesagt erstmal nicht sonderlich gut an. Für mich war das aber genau das Richtige.
Die Weiterbildung zur Meisterin war dann eher eine Vernunftentscheidung. Haben ist besser als brauchen. Dass ich so kurz nach meiner Weiterbildung dann tatsächlich eine Stelle als Meisterin antrete, habe ich weder geglaubt noch zu Beginn angestrebt. Aber manchmal kommt es eben anders.
Als Meisterin am Theater im Park trage ich natürlich deutlich mehr Verantwortung als bei meiner vorherigen Stelle. Dazu verbringe ich mehr Zeit am Schreibtisch und am Telefon, da muss ich mich erst noch dran gewöhnen. Bisher hat es meiner Leidenschaft für den Beruf im Allgemeinen aber noch nicht geschadet.


Und wenn mal keine Veranstaltung ist: Wie entspannst du von der Arbeit? Was machst du in deiner Freizeit?

Meine Freizeit verbringe ich oft draußen in der Natur oder in meinem Garten, gerne mit Freunden oder der Familie. Wenn es die Zeit zulässt fahre ich in meine Heimat – Ostfriesland, das Meer fehlt mir hier doch manchmal.
Eine weitere Leidenschaft ist definitiv die Musik. Ich spiele seit Jahren Gitarre und gehe gerne auf Konzerte und Festivals. Hier ist mein Beruf aber auch immer mit dabei: „Ohhh, was hängen denn da für Lampen?“ -  so ganz kann ich das dann doch nie abschalte.