Sole – Heilmittel und Identitätsstifter

Seit Jahrtausenden nutzen die Menschen die heilende Kraft der Sole. In Bad Oeynhausen sprudelt das „weiße Gold“ aus insgesamt neun Heilquellen. Darunter ist der 1926 erbohrte Jordansprudel, die einst größte kohlensäurehaltige Thermalsolequelle der Welt.

Sole: das ist Wasser, in dem definierte Schwellwerte von Natrium- und Chloridionen überschritten werden (240 mmol/l - das entspricht mindestens 5,5 g Natrium- und 8,5 g Chloridionen pro Liter). Ist die Sole dazu mindestens 20 Grad warm, ist es eine Thermalsole. Sonst spricht man von Kaltsole.

Darüber hinaus zeichnet sich Sole durch einen hohen Gehalt an Mineralsalzen wie Jod, Schwefel und Radon aus. Das anerkannte Arzneimittel wirkt sowohl äußerlich als auch innerlich und hat eine lange Tradition als natürliches Heilmittel. Als solches wird es in Form von Bädern, als Trinkkur oder zur Inhalation zur Behandlung von Erkrankungen der Haut, der Atemwege und des Bewegungsapparates angewendet. Außerdem stärkt die Sole das Immunsystem und kann bei Stoffwechselstörungen, Verdauungskrankheiten oder Blaseninfektionen helfen.

Frau genießt ein Bad in der Solewanne

Das Solewannenbad bei RehaConcept im Badehaus II (Foto: Tourismus NRW)

Sole trinken: Heilwasserausschank in der Wandelhalle

Aus neun Quellen und Brunnen sprudelt in Bad Oeynhausen die Sole. 39.000 Jahre lang ist das Wasser durch Kalk- und Dolomitgestein geflossen, bevor es zu Tage tritt. Aufgrund der einzigartigen geografischen Beschaffenheit verfügt die Sole über besondere mineralische Eigenschaften. Das zeigt sich auch im Geschmack – wer mag kann in der Wandelhalle das Heilwasser zwei verschiedener Quellen probieren. An zwei Hähnen warten die Wässer aus der Thermal I-Quelle und dem Wittekind-Brunnen darauf, verköstigt zu werden. Aushänge erklären, wie die Sole einzunehmen ist und was damit behandelt werden kann. Auch frische Gläser werden vor Ort angeboten. Der Brunnenausschank ist kostenfrei.

Jordansprudel: Die größte Thermalsolequelle der Welt

Die berühmteste Quelle der Stadt ist der Jordansprudel. Er wurde 1926 erbohrt und ist in seiner ursprünglichen Form die größte kohlensäurehaltige Thermalsolequelle der Welt. Bis zu 7.000 Liter pro Minute kommen hier aus der Erde. Einst sprudelte das Wasser bis zu 50 Meter hoch in die Luft. Heute ist die Höhe der Fontäne aber begrenzt. Der Jordansprudel gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Freiluftinhalieren am Gradierwerk

Am Gradierwerk im Sielpark kann das wohltuende Salz inhaliert werden. Das salzhaltige Wasser des Bülow-Brunnens wird auf das Gradierwerk gepumpt und rieselt von dort über Schwarzdornbüschel wieder herunter. Auf natürliche Weise verdunstet so das Solewasser und die Luft in der Nähe des Gradierwerkes wird mit Soletröpfchen und Salzaerosol angereichert. Umgeben von diesem salzigen Dunst kann man rund um das Gradierwerk tief durchatmen – das ist wohltuend und reinigend für die Atemwege. Übrigens: Der Bülow-Brunnen liegt in direkter Nachbarschaft zum Gradierwerk und kann regelmäßig besichtigt werden. Dabei erfährt man, wie vor 200 Jahren die Sole erbohrt wurde und was das für Bad Oeynhausen bedeutete.

Familie steht auf der Aussichtsplattform des Gradierwerks im Sielpark

Das Gradierwerk im Sielpark (Foto: Peter Huebbe)

Von Sole-Brötchen bis Sole-Eierlikör

Sole und Bad Oeynhausen sind unzertrennlich miteinander verbunden. Nicht verwunderlich also, dass kreative Bad Oeynhausener mit Sole abseits von Thermalbad und Kureinrichtungen neue Produkte schaffen. So gibt es etwas bei der Bäckerei Brante Brötchen und Brot, die mit dem mineralhaltigen Wasser verfeinert sind. Eine besondere Note hat der „Sole Abacate“ – ein solehaltiger Eierlikör der Likörproduzentin Sabine Rust. Und wer seine Haut mit Sole pflegen möchte, wird in der Tourist-Information im Haus des Gastes fündig: Sole-Seife und Sole-Handcreme sind hier erhätlich.