Kurorchester / Kurkonzert

Leben nach Noten

Täglich – außer freitags – konzertiert das Orchester des Staatsbades unter Leitung von Andreas Smoletz in der Wandelhalle oder den umliegenden Kliniken.

Im Gespräch mit Andreas Smoletz. Ein Blick hinter die Kulissen.

© Kulich Fotografie

Herr Smoletz, welche Stilrichtungen spielt das Staatsbad Orchester?
Vom Barock bis Rock, dank der Vielseitigkeit der Musiker, die mehrere Instrumente beherrschen und sich in jeder Stilrichtung zu Hause fühlen. Dabei setzen wir auf die Highlights der Klassik und der Unterhaltungsmusik.

Zwei Auftritte täglich, muss man da viel proben oder stets nach Noten spielen?
Die Proben sind ganz wichtig für uns. Nicht nur neue Stücke müssen geprobt werden, auch die „alten“ brauchen mal eine „Frischkurtherapie“, schon wegen der ständig wechselnden instrumentalen Besetzung des Orchesters. Deswegen wird auch stets „nach Noten gespielt“. Allerdings wird ein spontaner Wunsch aus dem Publikum, besonders bei unseren Klinik-Konzerten, wo kein Notenarchiv zur Hand ist, schon mal auswendig gespielt.

Wie gehen Sie bei der Zusammenstellung des Repertoires Ihrer Auftritte vor?
Unser Repertoire habe ich in zirka 40 musikalische Themen geordnet. Als Beispiel: Musical Erfolge, Operetten Parade, Musikalische Kostbarkeiten, Mozart Matinée, Romantische Opern Melodien, Perlen der Salonmusik und so weiter. Drei Konzert-Mappen füllt Musik unseres „Hofkomponisten“ Kasimir Tarnowski. Es gibt noch 15 Mappen mit „leichter Kost“. Eine Extra-Mappe enthält 50 Kammermusikstücke, und rund 200 Tanzmelodien liegen griff- und spielbereit in der Tanzcombomappe. 

Haben Sie eigentlich so etwas wie eine feste Fan-Gruppe?

O ja! Dem n.n.e.V. (noch nicht eingetragenen Verein) gehören nicht nur die Gäste an, die wir tagtäglich begrüßen können. Es sind auch Fans, die nach einer Kur in Bad Oeynhausen uns wieder, sogar mehrmals im Jahr, mit ihrem Besuch erfreuen. Nicht selten entwickelt sich dabei eine richtige Freundschaft.

Smoletz, Pecewicz, Szekely und Shearer – Ihr Orchester ist international. Woher kommen Ihre Mitglieder und seit wann konzertieren Sie gemeinsam?
Die meisten Kollegen stammen so wie ich aus Schlesien, Kasimir Tarnowski aus der Kopernikusstadt Thorn und unsere einzige Dame, Valerie Shearer, stammt aus Schottland. Sie ist auch die „Dienstälteste“, seit 1981. Kasimir Tarnowski folgte im Oktober 1983, ich einen Monat später. Seit 1990 ist Anton Ramolla dabei und im Jahr 1991 kam Jacek Checinski dazu. Seit 2006 ist der waschechte Krakauer Janusz Bulka dabei. Die "jüngsten" im Orchester sind seit 2015 Artur Pacewicz aus Hannover, geboren in Polen und Attila Szekely, geboren in Siebenbürgen (Ungarn).

Welche Stücke oder Stilrichtungen spielen Sie eigentlich am liebsten?
Auf ein Stück oder eine Stilrichtung kann ich mich nicht festlegen. Ich glaube aber, dass ich ein „Romantiker“ bin, allerdings übergreifend durch alle Stilrichtungen.

Reden wir einmal über das wöchentliche Wunschkonzert. Sind Titel dabei, die Sie extra einspielen müssen?
Die Wünsche der Gäste wiederholen sich natürlich oft, aber immer wieder kommt auch was Neues. Dann wird fieberhaft gesucht, auch im privaten Notenbestand; und falls noch die Zeit bleibt, wird das Stück geprobt. Aber es kommt auch mal so, dass „vom Blatt“ oder – in Musiksprache – a prima vista gespielt wird.

Eine letzte Frage: Sie musizieren jeden Tag, träumen Sie auch in Noten?
Das wäre gefährlich. Auch wenn der Beruf dem Hobby gleicht, muss man auch abschalten können. An einen Traum nach Noten kann ich mich aber doch erinnern. In diesem Traum habe ich ein himmlisches Stück komponiert. Mit einer ergreifenden Melodie, vollkommenen Harmonien, einfach perfekt. Mit unbeschreiblichem Glücksgefühl wachte ich auf und … konnte mich an jede Note erinnern. Sofort habe ich ein Notenblatt ergriffen und wusste schon nach dem ersten Takt: so was gibt’s schon. Das war die Arie aus der Suite in D-Dur von Johann Sebastian Bach.

Das Orchester

Andreas Smoletz: Violine, Gitarre
Valerie Shearer: Cello, E-Bass
Attila Szekely: Klavier, Keyboard
Kasimir Tarnowski: Klavier
Artur Pacewicz: Klavier
Anton Ramolla: Schlagzeug 
Jacek Checinski: Oboe, Alto Saxophon
Janusz Bulka: Violine